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gelebter Glaube

Über Altmennoniten gäbe es viel zu berichten. Unsere egoistische, nur für's Jetzt lebende Spaß- und Konsumgesellschaft könnte Impulse bekommen, die ihr erlauben würde, sich wieder auf das Wichtige zu besinnen.

Die Seiten über Altmennoniten und Hausamische sollen in Kürze ausgebaut werden. Dies ist nicht einfach, da Altmennoniten selbst nicht das internet benutzen (wir sind also auch keine) und es daher auch keine internet-Seiten gibt, die von Altmennoniten geschrieben sind.

Für den Anfang muß ein von unserer Resi in der 7. Klasse gehaltenes Referat über unsere ersten Erfahrungen mit Mitgliedern dieser Gemeinschaft genügen. 

 

   nicht dabei        aber              weit               voraus    

 

die Altmennoniten in Canada

Der 1. Kontakt

Als ich das Licht der Welt erblickte, lebten wir in der Nähe der Landkreise Waterloo und Wellington County in Ontario, Canada.

Mit meinen Eltern ging ich samstags oft auf den Bauernmarkt nach St. Jacobs (Jakobsstettl). Dort machte ich meine ersten Bekanntschaften mit den Old Order Mennoniten, wir kauften von ihnen Obst, Wurst und Backwaren.

 

Interesse geweckt

Zehn Jahre später, mit etwas mehr Verstand, begegnete ich ihnen wieder und mein Interesse an ihrer Lebensweise wurde geweckt.

 

Wiedertäufer – Verfolgung – häufige Migration

Die Mennoniten gehören zu den Wiedertäufer genannten Erwachsenentäufern, die sich während der Reformationszeit gruppierten. Sie lehnen die Kindstaufe ab, da sie meinen, daß die Taufe auf Glaube beruhen muß. Namengeber der Religionsgemeinschaft ist Menno Simons (1496 bis 1561, ursprünglich ein katholischer Priester). Die Glaubenstaufe wurde zum damaligen Zeitpunkt mit dem Tod bestraft. Die Verfolgung in Europa führte dazu, daß die ersten Mennoniten 1683 nach Nordamerika auswanderten.

 

Musterbauern, wohin sie auch gehen

Ihre wirtschaftliche Tüchtigkeit ließ die Mennoniten in vielen Ländern (z.B. in Westpreußen, Rußland, Nordamerika und Paraquay) zu Pionieren der Landwirtschaft werden. Auf der Suche nach gutem, billigem Land wanderte ein Teil der Mennoniten von Pennsylvanien nach Canada aus und kamen so in das Gebiet von Waterloo und Wellington. Es leben heute ca. 10.000 getaufte Old Order Mennoniten in Nordamerika (USA + Kanada), das schließt die Kinder nicht mit ein.

Den Glauben, die Tradition und die Muttersprache erhalten

Old Order Mennoniten haben sich ihren Glauben, ihre traditionelle Lebensweise und ihre deutsche Muttersprache bis zum heutigen Tag bewahrt. Sie nennen sich, wie die Amisch, „the plain people“ (die einfachen Leute). Sie wollen sich nicht durch irdischen Wohlstand von ihrem Glauben und dem Wunsch, ein gottgefälliges Leben zu führen, ablenken lassen. Die Angst, die sie dabei treibt, ist gut in dem Bibelvers: „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz“ (Matthäus 6, 21) zum Ausdruck gebracht.

Die erwachsenen Mennoniten tragen dunkle Tracht, die jungen Mädchen Kleider in eher unauffälligen Farben.

Die meisten Old Order Mennoniten Gruppen lehnen heute noch ein eigenes Auto, sowie Strom und Telephon im Haus ab.

Die Lebensweise ist sehr familien- und gemeinschaftsorientiert, weshalb sich das Leben auf Bauernhöfen abspielt, selbst wenn ein Handwerk ausgeübt wird.

Es leben üblicher Weise drei Generationen auf einem Hof, (der jüngste Sohn erbt den Hof) und die ganze Familie bewirtschaft ihn mit 5-12 Kindern. Bei der Arbeitsteilung wird darauf geachtet, daß die schwere Arbeit in Hof und Wald von den Männern verrichtet wird, während die Frauen in Haus und Garten ihrer Betätigung nachgehen.

Es wird überhaupt auf eine strikte Trennung zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht geachtet, was auch in der Sitzordnung während des Gottesdienstes (bei ihnen „Versammlung“ genannt) zu erkennen ist. Hier, wie in vielen anderen Dingen, wählt man seine Lebensweise nach der Grundeinstellung „führe mich nicht in Versuchung“ und „Dein Wille geschehe“ (jeweils an Gott gerichtet).

Deshalb werden auch Musik (im Gegensatz zu Gesang) und Tanz abgelehnt.

 

Trotzdem (oder gerade deshalb?) kennen Old Order Mennoniten sehr wohl das Gefühl der Freude.
Auch müssen sie nicht auf Lebensqualität verzichten, ganz im Gegenteil.

Mein Vater hat erzählt, daß er selten soviel Liebe in einem Heim verspürt hat, wie bei den täglich drei Mahlzeiten, die Mennoniten-Familien gemeinsam einnehmen. Das Essen ist gut und reichlich, da alles auf dem eigenen Hof produziert wird. Die Häuser sind heimelig, wenn auch ohne Überfluß, eingerichtet.

Mennoniten sind selten allein, weil einer dem anderen hilft.

Junge Menschen aus kinderreichen Familien helfen in noch nicht oder derzeit nicht mehr kinderreichen Familien aus.

Bei der Ernte hilft man einander.

Ist ein Schuppen abgebrannt oder muß aus sonstigen Gründen neu errichtet werden, so geschieht auch dies in Nachbarschaftshilfe in hier zu Lande unvorstellbaren Ausmaß.

Selbst die Krankenhauskosten der Gemeindemitglieder werden von allen Mitgliedern getragen. Die Kosten sind weit geringer als in Deutschland mit unserer Pflichtversicherung mit allen Immerleidenden (etwa DM 70 pro Person pro Jahr anstelle von 14% vom Einkommen).

Wenn der Pfarrer in der Erntezeit zu einem Sterbenden gerufen wird, so wird die Ernte des Pfarrers von seinen Glaubensbrüdern einfach eingebracht. Denn Pfarrer werden gewählt, sind aber hauptamtlich auch Bauern.

 

Trotzdem viele Nachteile! - Oder?

Kein Auto - Mit Pferd und Wagen erreichen die Mennoniten ihr Ziel in 5 bis 30 Minuten, während wir, die uns vermeintlich mit dem Auto so schnell bewegen, oft länger brauchen, weil wir meinen, in größerer Entfernung von unserer Wohnung arbeiten, einkaufen und Kontakt pflegen zu müssen.

Kein Fernseher - Unter Mennoniten redet man noch miteinander, ob bei der Arbeit, nach dem Abendessen, im Stall oder zwischen der Arbeit. Mein Vater erzählte zum Beispiel, daß er mit seinem Gastgeber auf dem Nachbarhof bei Sägearbeiten im Wald eingesetzt war und, wie dies unter Old Order Mennoniten üblich ist, mit der Nachbarsfamilie gemeinsam das Essen eingenommen hatte. Danach legten sich die Männer und Jungen auf dem Rückweg in den Wald für eine Viertelstunde unter den Hausbaum, während die kleinen nebendran im Sandkasten spielten.

Kein Strom - Abends wird die Petroleumlampe kurz angemacht und danach geht es ins Bett. Das tut gut nach einem ganzen Tag körperlicher Arbeit und morgens ist man wieder frisch.

Kein fließendes Wasser - Man spart unheimlich viel Wasser, wenn es nicht einfach davon läuft sondern gepumpt werden muß. Und ein Waschlappen und ein Eimer Wasser wirken Wunder, wenn es um das Erfrischen und Reinigen nach einem Arbeitstag unter heißer kanadischer Sonne geht.

Kein Telephon - Dafür setzt man sich sonntags gerne zusammen, um Angesicht zu Angesicht miteinander zu sprechen. Deshalb werden nur alle zwei Wochen Gottesdienste (Versammlungen) in der eigenen Gemeinde gehalten. An den anderen Sonntagen besucht man die Mitglieder der anderen Gemeinden und die eigenen Hausfrauen haben auch mal frei. - Übrigens wird das Feiertagsgebot von den Mennoniten sehr ernst genommen. Sonntags werden nur die Tiere verpflegt, wobei alles am Samstag vorbereiten wird was vorbereitet werden kann bzw. am Montag nach gearbeitet wird was nicht vorbereitet werden kann.

Keine Musik? - Da Mennoniten nicht dauernd vom „Walkman“ berieselt werden, bedeuten ihnen die Texte ihrer Lieder noch etwas. Mein Vater erzählte von einem Abend an dem sich die Familie in einem Silo auf Heuballen setzte und dort wegen der guten Akustik vierstimmig ihre Lieder sangen, wobei immer abwechselnd die Lieder ausgesucht wurden. Bei unserem Abschied haben wir gemeinsam ein Lied gesungen.

 

Es gibt also keine Problem bei den Mennoniten?

Leider doch.

Nicht alle jungen Männer sind standhaft: manche verlassen die konservativen Gruppen, um sich dann allerdings wieder meistens moderneren Mennonitenvereinigungen anzuschließen, die es in allen Varianten und Schattierungen gibt. Dies führt zu einem Überschuß an unverheirateten und daher nicht nach ihrer Bestimmung lebenden Frauen.

Technik – mehr oder weniger? Unter den Old Order Mennoniten gibt es auch Risse zwischen denen, die bereit sind mehr Technik auf den Hof zuzulassen (ohne Strom kann heute z. B. - wegen der sofortigen Kühlung - kaum mehr eine Milchwirtschaft betrieben werden) und denjenigen, die sich wieder ganz auf die Hafermotoren (Pferde) verlassen wollen.

Trotzdem haben die Old Order Mennoniten überall ein noch größeres Problem, die Landnot, weil die gesamte mennonitische Kultur auf einer Gemeinschaft auf dem Lande basiert, die Old Order Mennoniten sich aber auch ohne Mission zahlenmäßig vermehren, wird das Farmland in den Landkreisen in denen sie sich ansiedeln heute, wie seit über 300 Jahren schon, unerschwinglich teuer.

 

ohne Zusammenhang noch einige Informationen

Old Order Mennoniten Kinder gehen in Dorfschulen (vier bis acht Jahrgänge in einem Klassenzimmer), die von den Mennonitischen Gemeindemitgliedern gebaut werden und in denen Lehrer, die nicht studiert haben, unterrichten, meist junge Frauen. Die Schulbücher sind von den Mennoniten selbst geschrieben und halten die Werte dieser Menschen hoch. Sie sind aber auch von starkem Praxisbezug (z.B. in der Mathematik) und ausgewogener Berichterstattung (Geschichte, Erdkunde usw.) geprägt. Die Schulpflicht endet nach nur acht Jahren trotzdem sind sie mindestens so lebenstüchtig wie unsere Schulabgänger nach 13 Jahren und vier und mehr Jahren Studium es nicht sind.

Mennonitische Bauernhöfe und Handwerksbetriebe haben den Ruf hervorragend zu wirtschaften. Es wird hier noch sehr viel mit der Hand gearbeitet. Trotzdem sind die Produkte sehr erschwinglich und technisch hervorragend und nahezu unverwüstlich.

Selbst wenn auch auf Mennonitischen Höfen nicht alles so ist wie man sich dies aus ökologischer Sicht wünschen würde, so werden die Tiere relativ artgerecht gehalten.

In den Kriminalstatistiken der Region Waterloo war 1980 kein einziger Fall einer strafrechtlichen Untersuchung gegen einen Mennoniten bekannt.

Mennoniten Kinder sind außer während der Unterrichtszeit immer bei ihren Eltern und haben ihre Pflichten in Haus und Hof von dem Zeitpunkt an da sie laufen können.


Schließen möchte ich mit einem Dank für die offenen Arme mit denen man uns (meinen Vater, meine Schwestern und mich) dort aufgenommen hat und mit einem Spruch aus dem Buch „In meiner Jugend“:

 

Gehe niemals schlafen,
du habest denn zuvor bei dir überlegt,
wie du den vergangenen Tag zugebracht,
was du an demselbigen Gutes oder Böses getan habest,
so wirst Du bald ausfinden,
ob du deine Zeit, die unwiderbringlich ist,
wohl anwendest oder nicht.
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Soweit das Referat.

Wir hatten inzwischen weiteren zum Teil intensiven Kontakt. Unsere älteste Tochter arbeitete im zweiten Halbjahr 2003 zum Beispiel fünf Monate bei verschiedenen Familien als Magd, kürzere Besuche (zwischen zwei und acht Wochen) haben andere Familienmitglieder genutzt, um Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Begleitend haben wir viele Bücher über Altmennoniten und Hausamische gelesen, zum Teil in Form von wissenschaftlichen Werken, die von Gemeinschaftsfremden verfaßt wurden, z.T. solche, die von Gemeinschaftsmitgliedern geschrieben wurden. Meistens sind es Bücher, die sich direkt mit dem Glauben beschäftigen oder in Form von Geschichten sehr lebendige Bilder vom Leben der Altmennoniten und Hausamische zeichnen.

Wir haben mit der Übersetzung einer Serie von sechs Büchern, die eine Altmennonitin namens Nancy Martin begleiten, vom Zeitpunkt da sie das erste Mal als Magd weg von ihrer Familie arbeitet bis sie später selbst Mutter von Teenagern ist. In diesen Büchern kommt fast alles vor was man als Mitglied der Gemeinschaft so erlebt. Die Geschichte ist so nahe am Leben dran, daß von vielen Lesern schon vermutet wurde - die Autorin verneint dies aber - daß es sich um wahre Erlebnisse aus dem Umfeld der Schreiberin handelt. Auf jeden Fall kann man hier auf sehr persönliche Weise mehr über das Empfinden, Denken und Handeln von Altmennoniten erfahren. Aus dem Vergleich mit dem eigenen Empfinden, Denken und Handeln haben wir dann den größten Gewinn. Selbst wenn man versucht, es alles nicht so an sich heranzulassen, sind die Bücher zum Teil richtig spannend, ähnlich einem Geschichtsroman, der auch Eindrücke vom Leben in einer anderen Zeit vermittelt.

Wir suchen übrigens Leute, die interessiert wären, an der Übersetzung mitzuwirken. Wer Lust hat möchte sich doch bitte bei uns melden.

 

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterGott zur Ehre, uns zur Lehre
altmennonitische Poesiealbumeinträge

 

Buchempfehlung

Wenn Sie sich nicht scheuen, Bücher in englischer Sprache zu lesen, so können wir Ihnen die Nancy Martin Serie sehr empfehlen, die von einer Altmennonitin geschrieben wurde und viele Facetten des Lebens dieser Menschen in Form eines Romans beleuchtet.  Diese Bücher wurden zur Anleitung und Erbauung anderer Altmennoniten und Hausamischen geschrieben, also anders als das was wir hier in Deutschland über Amische und Mennoniten zumeist von Gemeindefremden Geschriebenes angeboten bekommen.  Weitere Informationen zu diesen Bücher finden Sie Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster hier.

 
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