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Kaltblutpferde

Unsere Veronica hielt dieses Referat 2004 an der Gesamtschule Hollfeld.
Es beruht auf eigenen Erfahrungen und den, in der Tabelle angegebenen Quellen.
Die Bilder sind den Büchern "Zugpferde heute" von Robert A. Mischka, erschienen im Erich Degreif Verlag und "Pferdestärken" von Klaus Alvermann (Franckh-Kosmos Verlag) entnommen oder aus unseren eigenen Kameras.

 

Beschreibung:

Kaltblüter haben meistens ein Stockmaß von 150 bis 175 cm und wiegen ungefähr 600 bis 1000 kg. Zu den Kaltblütern gehören mehrere Rassen, unter anderem Ardenner, Belgier, Bretone, Percheron, Shire (in Nordamerika Clydesdale), Suffolk Punch, usw. Früher gab es auch in Deutschland eine sehr erfolgreiche Kaltblutzucht. Rassen wie Rheinisch-Deutsches Kaltblut, Mecklenburger, Schleswiger, Schwarzwälder Füchse und Süddeutsches Kaltblut (auch Noriker genannt, besonders in Österreich) hatten einen sehr guten Ruf. Heute gibt es nur noch von den letzten beiden ausreichende Bestände für eine gesunde Zucht. Kaltblutpferde werden hauptsächlich noch in Nordamerika als Zugpferde eingesetzt. In Frankreich werden sie in erster Linie zur Fleischgewinnung gehalten. Nur die Besten werden für Zucht und Arbeit erhalten.

Es wird Euch vielleicht überraschen, daß auch Haflinger, Fjord-Pferde und Isländer, die wesentlich kleiner und leichter sind, zu den Kaltblütern gehören.

 

Entwicklung:

Kaltblutpferde gibt es nördlich der Alpen seit ungefähr 2000 Jahren. Sie waren damals - wie die Menschen auch - wesentlich kleiner. Das galt bis ins späte Mittelalter. Erst durch den Einsatz in der Landwirtschaft, der Mitte des 19. Jahrhunderts begann (vorher hatte man mit Kühen und Ochsen als Zugtiere gearbeitet), und mit der schwereren Kriegstechnik der letzten zwei Jahrhunderte, wurden die Kaltblutrassen so schwer wie sie heute sind. Allerdings hatten sie schon nach nur einem Jahrhundert in Deutschland mit der fortschreitenden Mechanisierung von Landwirtschaft und Militär ihren Höhepunkt überschritten, was die Bestandszahlen betrifft. 1950 gab es laut Statistik noch 1,7 Millionen Zugkrafteinheiten (schließt alle Zugtiere ein), 1970 noch 216.000. 1990 gab es laut FN (der deutschen reiterlichen Vereinigung in Warendorf) in Deutschland nur noch 2.600 Stuten und 200 Hengste, wobei seit 1980 anscheinend ein Aufwärtstrend zu verzeichnen war. Aber was hilft das, bei nur noch 24 Hengsten und 230 Stuten vom größten deutschen Pferd (dem Rheinisch-Deutschen Kaltblutpferd) und ca. 100 Schleswiger Stuten (die nur durch Fremdeinkreuzung so „zahlreich“ sind)?

In Frankreich gibt es Dank der Verwendung als Fleischlieferant noch etwa 400.000 Kaltblutpferde, in den USA 1980 noch etwa 180.000 Arbeitspferde, die zum größten Teil Kaltblutpferde oder Kreuzungen mit hohem Kaltblutanteil sein dürften.

 

Verwendung:

Ihre Spezialität ist das ausdauernde Ziehen von schweren Lasten. So können sie vor Pflüge, Möbelwagen, Bierkutschen, Langholzwagen und Kanonen gespannt werden. Andere Pferde würden hier einfach versagen. Vor solchen Lasten werden aber auch Kaltblutpferde mindestens zu zweit, oft aber auch in größerer Zahl eingespannt.
In Deutschland werden Vier-, Sechs- und Achtspänner traditionell paarweise hintereinander gespannt. Auf den Äckern Nordamerikas hingegen hat man sich zum Pflügen für die breite Anspannung von vier oder fünf Pferden nebeneinander oder zwei Reihen von je drei Pferden entschieden. Damit bringt man es auf eine Leistung, die auch saisonbedingten Spitzenbedarf abdeckt.

Man kann Kaltblutpferde aber auch für mittlere und leichte Arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft verwenden, z.B. zum Holzrücken und Mähen, Eggen, Grubbern, Säen, Heuwenden und Schwaden.

Trotz ihrer hervorragenden Eigenschaften als Nutztiere kann man mit ihnen auch einfach Spaß haben. Was gibt es Schöneres als Kutsch- oder Planwagenfahrten oder gar eine Reiter- oder Fahrerhochzeit? Sitzt man lieber oben drauf, so reitet man bei einem Kaltblutpferd nicht auf dem Rücken eines Messers, sondern eher in einem Chefsessel.

Die Kaltblüter haben oft kupierte Schweife, so daß sie nicht mit dem Schweif in das Geschirr bzw. in die Leinen kommen und hängen bleiben. In Deutschland ist das Kupieren von Schweifen verboten.

 

Vorteile:

Wenn man einen Traktor und ein Pferd vergleichen würde, gäbe es viele Vorteile beim Pferd.
Es schont den Boden, indem es ihn nicht so stark verdichtet. Da es weniger wiegt und keine Räder hat, die durchdrehen können, hinterläßt es nicht so große und tiefe Spuren im Boden. Dies kann man besonders gut bei der Forstarbeit beobachten.
Kaltblüter sind aber auch sonst umweltfreundlicher als der Traktor: sie stinken nicht nur nicht nach Abgasen, sie vergiften einfach nicht die Luft im gleichen Maße wie der Traktor. Wenn wir den Traktor im Winter in unserer großen Halle anlassen, so kann man die Luft schon nach dem Rausfahren kaum mehr Atmen, der Rauch hängt sichtbar unter dem Dach. Nachdem viele Tiere eine lange Winternacht bei geschlossenem Fenster im Stall verbracht haben, hat die Luft in diesem kleineren Raum immer noch eine viel bessere Qualität.

Was passiert wenn ein Traktor entgültig kaputt ist? Er wird im besten Fall verschrottet. Ein neuer muß gekauft werden - schlecht für die Umwelt und den Geldbeutel. Ganz anders beim Pferd. Bis es nicht mehr kann hat es schon viele potentielle Nachfolger geboren. Wenn man Stuten, Hengste und Wallache im Schnitt rechnet, so können meistens aus einem „Traktor mit Hafermotor“ zumindest vier weitere werden. Ein anderer bedeutender wirtschaftlicher und ökologischer Vorteil ist, daß Pferde das fressen, was auf dem Bauernhof wächst. Das, was sie selbst produzieren wird wieder auf dem Bauernhof verwendet, um die Fruchtbarkeit des Bodens auf natürliche Weise zu erhalten.
Ganz anders ist wiederum der Traktor. Er verbraucht Rohstoffe (Erdöl), die nicht nachwachsen, die die Umwelt während des Förderns, der Verarbeitung sowie dem Transport zum Teil sehr stark belasten. Ähnlich ist es mit dem chemischen Dünger.

Ein weiterer wichtiger Vorteil des Pferdes ist für mich, daß der Fuhrmann/Bauer sich mit ihm Unterhalten kann und daß das Pferd mitdenkt (ein gutes Pferdegespann arbeitet auch ohne daß man auf dem Bock sitzt). Der Traktor hingegen verursacht durch die Vibration, den Gestank und den Krach Kopfschmerzen und Mattigkeit. Im ganz modernen Traktor mit Schalldämpfung und Klimaanlage sind letztere Probleme zwar behoben, dafür geht jedes Gespür für das Land unter den Rädern verloren. Die daher rührende hohe Geschwindigkeit führt zu noch größeren Verlusten in der Tierwelt und zu höherer Verdichtung des Bodens.

 

Nachteile: 

Wenn das Pferd genommen wird, muß man es erst Einschirren und das braucht ziemlich lang (3-5 Minuten pro Pferd, wenn man geübt ist) und man braucht auch länger, um die Arbeit zu erledigen (siehe Startet den Datei-Download Tabelle), weil man nicht über die Wiese, den Acker oder irgendetwas anderes so schnell und ohne Pause fahren kann wie mit einem Traktor, weil die Pferde Lebewesen sind und nicht Dinge, die man fahren kann bis sie kaputt sind. Und Abends gehen einfach die Lichter aus. Das ist zugleich ein Vorteil, weil so auch der Mensch nicht aus seinem natürlichen Rhythmus gerissen wird.

 

Zusammenfassung:

Das Pferd war die Zugkraft von gestern.

In Polen haben vor zehn Jahren mit Hilfe des Pferdes noch 25% der Bevölkerung von der Landwirtschaft gelebt. In wenigen Jahren werden es dort wie bei uns weniger als 5% sein. Zum Vergleich: In Deutschland gab es 1950 noch 4,8 Mio. Erwerbstätige in der Landwirtschaft, 1986 noch 1,2 Mio, das waren 23,9 bzw. 4,8%.

Die Öl- und Chemikalieneinkäufe werden die Auslandsverschuldung Polens steigen lassen. Kein Wunder, daß auch in der alten EU die Landwirtschaft in dieser Form so viel Geld fraß, ohne daß die Bauern dadurch reicher wurden oder weniger Stunden arbeiten mußten. Tatsächlich ging laut Eurostat das reale Einkommen pro Arbeitskraft in Deutschland 2002 um 19,5% und 2003 nochmals um 14,2% zurück.

Im Hochtechnologieland USA gehören zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Farmen, solche die mit Pferden bewirtschaftet werden. Diese verursachen auch die geringsten Umweltschäden. Sie begünstigen auch kleine Firmen, die heute noch Geräte für den Pferdezug entwickeln.

So ist das Pferd vielleicht auch die Zugkraft der Zukunft.

 
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